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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter November 30, 2023

Uwe Nerlich und die zivile Strategieforschung in Deutschland

  • Joachim Krause

    Geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift SIRIUS

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1 Einleitung

Militärische Strategieforschung gibt es in Deutschland schon länger, Carl von Clausewitz war der bekannteste Vertreter dieser Disziplin. Zivile Strategieforschung war und ist in Deutschland eher verpönt. Eine zivile Strategiewissenschaft gibt es in der Bundesrepublik erst seit Beginn der 60er-Jahre, also seit etwas mehr als 60 Jahren. Einer der Pioniere deutscher strategischer Wissenschaft und einer ihrer produktivsten und umtriebigen Vertreter war Dr. h.c. Uwe Nerlich, der am 23. März 2023 im Alter von 92 Jahren verstorben ist. Er war in gewisser Weise der Dienstälteste zivile Sicherheitsexperte der Bundesrepublik Deutschland und hat diese Disziplin entscheidend geprägt.

Uwe Nerlich wurde am 29. Juni 1930 in Wassersleben bei Flensburg geboren und wuchs unter den Bedingungen des Zweiten Weltkriegs auf, der Flensburg allerdings weitgehend verschont ließ. Er studierte zwischen 1951 und 1957 in Frankfurt am Main die etwas ungewöhnliche Kombination von Philosophie und Mathematik und konnte 1955/56 die damals sehr seltene Gelegenheit wahrnehmen, als Deutscher am Kings College der Universität Cambridge zu studieren. Sein akademischer Lehrer in Frankfurt war der Philosoph und Mathematiker Wolfgang Cramer, aber Nerlich suchte in Frankfurt auch den Kontakt zu Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. Letzterer erwies sich als hilfreich bei seinem Anliegen, nach Cambridge zu gehen. In Großbritannien kam er in Kontakt mit Karl Popper, der seinerzeit an der London School of Economics und der London University lehrte und dessen Wissenschaftsverständnis den jungen Nerlich stark prägte.[1]

Uwe Nerlich wollte ursprünglich über Hegel promovieren, musste aber aus privaten Gründen 1956 zunächst eine Stelle beim Brockhaus-Verlag in Wiesbaden in der Fachredaktion für Philosophie und andere Wissenschaften antreten. Vermutlich schon in Cambridge hatte er begonnen, sich für zivile Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen zu interessieren, die über Nuklearwaffen, Nuklearstrategie und Rüstungskontrolle schrieben und von denen einige auch die amerikanische Regierung berieten. Diese Gruppe mit Namen wie Albert Wohlstetter, Thomas Schelling, Henry Kissinger, Raymond Garthoff, Hermann Kahn, Bernard Brodie, Robert Osgood und Glenn H. Snyder stellte ein beachtliches und einflussreiches intellektuelles Potenzial dar. Am meisten interessierten ihn Albert Wohlstetters Überlegungen zu den Folgen einer Rüstungsentwicklung, bei der nicht nur die USA die Sowjetunion mit Kernwaffen bedrohten, sondern auch selbst Gegenstand nuklearstrategischer Angriffe werden konnten. Damit verbanden sich weitgehende Folgen für die westliche Verteidigungs- und Abschreckungspolitik. Im Deutschland zu Beginn der 60er-Jahre war das Thema von essenzieller Bedeutung und Nerlich war einer der ersten, die sich dafür ernsthaft interessierten.

Als der Bertelsmann-Verlag 1958 begann, Veröffentlichungen zu planen, um diese Debatte in die deutsche Öffentlichkeit und Wissenschaft zu tragen, war Nerlich der Mann der Stunde. Der Verlag beauftragte ihn Anfang 1959, die Beiträge eines Sammelbands der Zeitschrift DEADALUS zur Rüstungskontrolle in deutscher Sprache, versehen mit Kommentaren deutscher Experten, sowie Sammelbände mit internationalen Beiträgen zur Thematik von Krieg und Frieden zu veröffentlichen. Dieses Projekt sollte eine empfindliche Lücke schließen, wurde die internationale Politik an deutschen Universitäten doch weitgehend vernachlässigt. In diesem Zusammenhang kam Nerlich in Kontakt mit der 1955 gegründeten Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). Eine wichtige Rolle spielte hier der umtriebige Gründer und Herausgeber der Zeitschrift Europa Archiv, Wilhelm Cornides.[2] Dieser verfügte über die Fähigkeit, Fragen der internationalen Politik und die Rolle des westdeutschen Staats als Objekt der Großmachtbeziehungen in klare Worte zu fassen, und hatte darüber ein vielgelesenes Buch verfasst.[3]

 Wilhelm Cornides (links) und der junge Uwe Nerlich
 Wilhelm Cornides (links) und der junge Uwe Nerlich

Wilhelm Cornides (links) und der junge Uwe Nerlich

Im Jahr 1961 nahm in der DGAP das Projekt einer Studiengruppe Gestalt an, bestehend aus angesehenen Wissenschaftlern, wichtigen Parteipolitikern und Angehörigen der Ministerien. In ihr sollte ernsthaft und vertieft über strategische Fragen beraten werden. Anlass für die Bildung der Studiengruppe war, dass die Sicherheitspolitik der USA, insbesondere die der seit 1961 amtierenden Kennedy-Administration, auf Konzepte setzte, die dieser akademischen Diskussion entstammten – eine Entwicklung, die die damalige deutsche Bundesregierung zu überfordern schien.[4] Die Studiengruppe sollte dazu beitragen, ein besseres Verständnis der Entwicklungen in den USA und der NATO zu entwickeln.[5] Sie tagte ab Januar 1962 zumeist vierteljährlich unter der Leitung des SPD-Politikers Fritz Erler. Zu ihren Mitgliedern gehörten neben Erler namhafte Politiker wie Helmut Schmidt (SPD),[6] Kurt Birrenbach (CDU), Fritz Rudolf Schulz (FDP) sowie Ministerialbeamte des Auswärtigen Amtes (Wilhelm Grewe, Lothar Lahn, Richard Balken, Herbert Müller-Roschach, Ulrich Scheske und Swidbert Schnippenkötter) und des Verteidigungsministeriums (Volkmar Hopf und Herbert Trebesch, Hans Speidel und Rolf Steinhaus), außerdem die Journalisten Theo Sommer (Die Zeit) und Kurt Becker (Die Welt). Zu den Wissenschaftlern zählten Wilhelm Cornides (DGAP), Helga Haftendorn sowie die Professoren Karl Dietrich Bracher, Ulrich Scheuner, Ulrich Menzel und Carl Friedrich von Weizsäcker.[7]

Cornides gelang es, Nerlich für die Arbeit der DGAP zu interessieren. Ab April 1962 arbeitete Nerlich für die DGAP in einem kleinen Büro in der Koblenzer Straße 12 (heute Adenauerallee) in Bonn als Leiter einer sicherheitspolitischen Forschungsgruppe und organisierte die Treffen der Studiengruppe, deren Ergebnisse Helga Haftendorn protokollierte. In dieser Forschungsgruppe wirkten weitere Personen mit, etwa als Gastwissenschaftler oder Stipendiaten (Eberhard Forndran, Thomas Jansen, Charles Planck, Dieter Mahncke, Catherine Kelleher und Martin Geiling), die sich wie Helga Haftendorn später in Wissenschaft oder Politik einen Namen machten. In dieser Zeit setzte Nerlich die Publikationsprojekte des Bertelsmann-Verlags fort und brachte diese erfolgreich zum Abschluss.[8] Seine Studiengruppe erwies sich als gelungenes Projekt, denn sie trug dazu bei, dass wichtige Akteure in Ministerien und Parteien den gleichen Kenntnisstand über die amerikanische und innerwestliche Diskussion besaßen, und löste parteienübergreifende konzeptionelle Debatten aus, die vor allem in der Zeit der Großen Koalition (1966–69) und auch danach die verteidigungs- und allianzpolitische Richtung der Bundesregierung strukturierten.

Uwe Nerlich nahm eine zentrale Rolle in der Studiengruppe ein und war auch in die Vorbereitungen zur Gründung eines Forschungsinstituts involviert, welches nach dem Vorbild der RAND-Corporation die Bundesregierung in Fragen der Sicherheitspolitik und der internationalen Beziehungen generell beraten sollte. Wo dieses Institut stehen und wer es organisieren sollte, war anfangs offen. Cornides hatte gehofft, man werde der DGAP diese Aufgabe übertragen. Aber am Ende wurde die 1963 gegründete Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) mit dieser Aufgabe betraut und mit Bundesmitteln ausgestattet. Das von der SWP getragene „Institut für internationale Sicherheit und Politik“ wurde in Ebenhausen bei München angesiedelt. Im Januar 1966 wechselte Nerlich, dem damals eine gewisse Ähnlichkeit mit den Kennedy-Brüdern nachgesagt wurde, als Forschungsleiter an die SWP nach Ebenhausen, deren Direktor Dr. Klaus Ritter war. Trotz dieses Wechsels blieb Nerlich der DGAP noch Jahre verbunden. Er blieb bei der SWP im „Haus Eggenberg“ bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1995, unterbrochen allerdings durch Forschungsaufenthalte im Ausland, wobei der an der Stanford University (1973/74) der für ihn bedeutendste war. Angesichts der Vergrößerung und Differenzierung des Forschungsinstituts der SWP war die Funktion der „Forschungsleitung“ immer weniger auszufüllen. Aber als Mitglied der Institutsleitung hat er mit großem Erfolg bedeutende Impulse für die Arbeit der SWP gegeben und Schwerpunkte setzen können.

 Haus-Eggenberg der SWP, Nerlichs Arbeitszimmer lag im ersten Stock, die beiden Fenster zur Linken

Haus-Eggenberg der SWP, Nerlichs Arbeitszimmer lag im ersten Stock, die beiden Fenster zur Linken

Im Zentrum von Nerlichs Arbeit stand stets das komplexe Verhältnis zwischen Politik auf der einen und Wissenschaft auf der anderen Seite. Er lehnte zwei typische Attitüden in der Wissenschaft ab: zum einen den Positivismus, bei dem Wissenschaft um ihrer selbst und der Reinheit des methodischen Vorgehens willen betrieben wird, und zum anderen den theoriegeladenen Dogmatismus, dessen Anhänger meinen, der Politik aus ihren theoretischen Erklärungen heraus Vorgaben machen zu müssen.[9] Letzteres bezog er auch auf den Politikwissenschaftler Hans J. Morgenthau, dessen Werke in den 50er- und 60er-Jahren weite Beachtung fanden. Aber Nerlich lehnte weder Morgenthaus Ansichten ab noch ignorierte er die positivistischen Wissenschaften. Ihm ging es um die Differenzierung. Wichtig war ihm die Institutionalisierung der Kooperation zwischen Wissenschaft und Politik, bei der ein „subtiles und differenziertes Verständnis einer gegebenen außenpolitischen Situation gefordert ist, um die Probleme erkennen zu können, die planender Arbeit bedürfen.“[10] Sowohl Uwe Nerlich als auch sein Mentor Wilhelm Cornides entwickelten einen konzeptionellen Ansatz zur Beschreibung und Analyse von strategischen Zusammenhängen, der aus der komplexen Synthese von militärstrategischen, politischen und institutionellen Entwicklungen bestand. Nach dem frühen Tod von Wilhelm Cornides Anfang 1966 blieb es Nerlich allein überlassen, dieses Gedankengebäude weiterzuentwickeln, das in der wissenschaftlichen Debatte gegenüber anderen Ansätzen qualitativ weit herausstach, allerdings nie in ein lehrbuchartiges Konzept gegossen worden ist. Nerlich selber hat immer wieder betont, wie sehr ihn die Denkweise des mit 46 Jahren verstorbenen Cornides geprägt habe.

2 Der amerikanisch-sowjetische Bilateralismus und die Rolle der Bundesrepublik in den 60er- und 70er-Jahren

Nerlichs wissenschaftliches Hauptinteresse galt in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren der Auseinandersetzung mit den amerikanischen Konzepten zur gegenseitigen nuklearstrategischen Abschreckung und zur Rüstungskontrolle und den damit verbundenen Folgen für die Position der Bundesrepublik und die Zukunft der westlichen Allianz. Die Kombination der Konzepte der gegenseitig gesicherten Abschreckung (Mutual Assured Destruction – MAD) und der Rüstungskontrolle verhieß die Möglichkeit einer Stabilisierung des Ost-West-Konflikts und einer Entspannung der Ost-West-Beziehungen. Nerlich erkannte, dass dies den Spielraum der Bundesrepublik und der west- und osteuropäischen Länder vergrößern sowie die Gefahr eines großen militärischen Konflikts abbauen werde. Aber schon Cornides hatte darauf hingewiesen, dass sich der amerikanisch-sowjetische Bilateralismus auch negativ auf die europäischen Verbündeten der USA auswirken könnte.[11] Nerlich schrieb ebenfalls, es könnte der Fehlglaube entstehen, dass Rüstungskontrolle allein den Konflikt zwischen dem freiheitlichen Westen und der autoritär regierten Sowjetunion beilegen werde. Und das böte womöglich ein Einfallstor für sowjetische Versuche, die westliche Staatengemeinschaft zu spalten. „In einer Zeit, die selbstverständliche Zustimmung zu nuklearen Beschränkungen fast zu einem Kanon internationalen Wohlverhaltens gemacht hat, kann es nicht ausbleiben, daß Bemühungen um Kontrolle und Nichtverbreitung von Kernwaffen auch von Unbehagen begleitet werden“, so Uwe Nerlich in einer 1966 erschienenen Publikation.[12]

Nerlich hatte – so wie Cornides – immer sehr unterschiedliche Entwicklungen im Blick, die in ihrer Kombination den meisten Beobachtern nicht auffielen, aus denen sich aber für die deutsche Politik verhängnisvolle Verläufe entwickeln könnten. Er behielt innenpolitische Entwicklungen in den USA, in Frankreich, Großbritannien, der Sowjetunion und der Bundesrepublik ebenso im Auge wie bestimmte Problembereiche (NATO-Strategie, Kernenergie, Kernwaffen, Vietnam-Krieg) und arbeitete Prioritäten heraus. Wenn die USA mit der Sowjetführung über Maßnahmen verhandelte, die die Krisenstabilität sichern und einen Kernwaffenkrieg verhindern sollten, so war das für Nerlich selbstverständlich in Ordnung. Als im Jahr 1973 die USA und die Sowjetunion ein Abkommen zur Verhinderung eines Nuklearkriegs unterschrieben, so war das laut Nerlich zu begrüßen, doch die dahinterstehenden Sekundäreffekte und deren mögliche Auswirkungen sah er mit ziemlicher Klarheit voraus.[13]

Nerlich sah im amerikanischen Interesse am Bilateralismus auch das Bestreben, angesichts des katastrophalen Verlaufs des Vietnam-Kriegs den Verlust an außenpolitischer Handlungsfähigkeit wettzumachen.[14] Besonders die erste Amtsperiode Nixons habe der Versuch gekennzeichnet, durch Lösung des Vietnam-Problems, Annäherung an China und Entspannungs- und Rüstungskontrollpolitik mit Moskau jene innenpolitische Beruhigung vorzunehmen, die zur Wiederherstellung von Washingtons internationaler Handlungsfähigkeit notwendig war. Die sozialliberale Bundesregierung habe das verstanden und mit ihrer Ostpolitik genau den Impuls geliefert, der dieser Politik entsprach. Taiwan habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt und sich in eine katastrophale Marginalisierung manövriert.[15] Für deutsche Politik sei es wichtig, die Dynamik der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen zu erfassen, zwischen richtigen und falschen Prioritäten zu unterscheiden und mögliche Probleme rechtzeitig wahrzunehmen. Schon 1974 schrieb Nerlich, angesichts des Zustands gegenseitig gesicherter nuklearstrategischer Zerstörungsfähigkeit werde die Bedeutung von Kernwaffen abnehmen, wodurch weitere Rüstungsvorhaben ebenso zweitrangig würden wie Verminderungen im Rahmen von Rüstungskontrollverträgen. Dafür werde die (vornehmlich innenpolitisch) motivierte Symbolkraft von Verhandlungen zunehmend Bedeutung gewinnen.[16] Daraus ergäben sich Ansatzpunkte für eine sowjetische Politik mit dem Ziel, einseitige Vorteile zu erreichen. Entscheidend sei daher, ob die sowjetische Führung den Bilateralismus für eine allgemeine Verbesserung und Entspannung der Beziehungen zum Westen nutze oder ihn instrumentalisiere, um den Zusammenhalt des westlichen Bündnisses zu schwächen und bestehende Prioritätenkonflikte innerhalb der NATO und der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu akzentuieren.[17] Wenige Jahre nachdem Nerlich diese Frage aufgeworfen hatte, zeigte sich, dass Moskau sich nicht kooperativ verhielt, sondern den Bilateralismus nutzte, um sich einseitige Vorteile auf Kosten der westlichen Staatengemeinschaft zu verschaffen.

3 Defizite der Nuklearen Nichtverbreitung

Zur gleichen Zeit beobachtete Nerlich kritisch die französische Nuklearbewaffnung. In Anbetracht der stärkeren Akzentuierung von konventioneller Verteidigung im Rahmen der anstehenden NATO-Strategie der flexiblen Antwort sei das die völlig falsche Antwort. Überdies würden, je mehr sich das Verhältnis USA zur Sowjetunion entspanne, desto stärker alte Divergenzen innerhalb Europas wieder betont und die Frage des Statusunterschiedes zwischen Frankreich und Deutschland aufgeworfen werden. Mit seiner Nuklearbewaffnung habe Frankreich erfolgreich versucht, seine Position aufzuwerten, und so die Position der Bundesrepublik in der Allianz geschwächt, da diese aus historischen Gründen nicht selbst Kernwaffenmacht werden konnte.[18] Nerlich, nie ein Befürworter deutschen Kernwaffenbesitzes, sah die Politik de Gaulles kritisch, weil sie die Bundesrepublik in ein unauflösbares Dilemma versetze, verschärft durch die 1968 einsetzenden Verhandlungen der USA und der Sowjetunion über einen Atomwaffensperrvertrag. Dieser hatte aus sowjetischer Sicht den einzigen Zweck, die Mitwirkung der Bundesrepublik Deutschland an einer integrierten nuklearen Streitmacht der NATO auszuschließen und längerfristig nationale deutsche Atomwaffen zu verhindern.

In einer 1973 aus Anlass der Debatte über die Ratifikation des Nuklearen Nichtverbreitungsvertrags erschienenen Studie der SWP legte Nerlich eine grundsätzliche Kritik der amerikanischen Nichtverbreitungspolitik vor.[19] Nachdem es Washington nicht gelungen sei, die Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich und China vom Bau von Atomwaffen abzubringen, habe es seine Nichtverbreitungsdiplomatie seit Mitte der 60er-Jahre auf die Verhinderung einer deutschen (und japanischen) Nuklearbewaffnung ausgerichtet, obwohl beide Länder keinerlei Ambitionen in dieser Richtung hatten. Aus einer abstrakten Idee sei eine Politik der generischen Nichtverbreitung geworden, die Moskau ausgenutzt habe, um die nukleare Mitbestimmung der Bundesrepublik zu verhindern. Zudem sei die amerikanische Nichtverbreitungspolitik so angelegt gewesen, dass sie berechtigte Interessen Deutschlands und anderer Mittelmächte an der zivilen Nutzung der Kernenergie unberücksichtigt ließ.

Erschwerend sei die Haltung Frankreichs für die deutsche Politik gewesen. Nicht nur, dass Paris den Statusunterschied betont habe, die Nuklearrüstung Frankreichs sei auch durch das Motiv bestimmt gewesen, die innerwestliche Ordnung zu verändern und eine europäische Form der Verteidigung anzustreben, die zur Marginalisierung der USA führen sollte. Daraus hätte sich ein Dilemma deutscher Außenpolitik ergeben, denn diese strebte stets nach guten Beziehungen sowohl zu Washington wie zu Paris. „Die Bundesrepublik“, so Nerlich, „stand demnach zwischen einer atlantischen Option, die eine verstärkte militärische Zusammenarbeit mit den USA erforderte, und einer gaullistischen Option, die gerade auf eine möglichst weitgehende Verringerung einer derartigen Entwicklung hin konzipiert war.“[20] Damit hatte er ein bisher nicht aufgelöstes Dilemma deutscher Sicherheitspolitik klug beschrieben.

In der Auseinandersetzung mit der Nichtverbreitungspolitik hat Nerlich ein analytisches Konzept von Prioritätenkonflikten vorgelegt, das seine weitere Arbeit in den Jahren bis zum Ende des Ost-West-Konflikts anleitete. Im Prinzip ging es ihm darum, Prioritätenkonflikte nicht einfach als Interessenkonflikte darzustellen (bei denen jede Seite gleichermaßen mit klar definierten Interessen antritt), sondern sie als ein komplexes Ineinandergreifen innenpolitischer und internationaler Entwicklungen zu begreifen, die oft Dynamiken auslösen, deren Charakter man erst erkennt, wenn es zu spät ist. Es gelte, solche Dynamiken rechtzeitig zu identifizieren und auf sie hinzuweisen. In diesem Zusammenhang begriff er die amerikanische Nichtverbreitungspolitik als Doktrinalisierung eines eigentlich operativ lösbaren Problems. Daher sei es wichtig, diese Komplexität genauer zu untersuchen und kritische Punkte aufzuzeigen.[21]

4 Sowjetische Macht, nukleare Abschreckung und westliche Verhandlungspolitik

In den 70er-Jahren befasste sich Nerlich verstärkt mit den politisch induzierten Problemen der Rüstungskontrolle angesichts einer sowjetischen Politik, die immer weniger auf Entspannung setzte, sondern Rüstungskontrollpolitik als Instrument nutzte, um Divergenzen innerhalb des Westens zu akzentuieren. In einer 1977 erschienenen Schrift setzte er sich kritisch mit den seit 1973 laufenden Verhandlungen über die Begrenzung konventioneller Streitkräfte in Europa (Mutual Balanced Force Reductions – MBFR) auseinander. Angesichts der sowjetischen Haltung erkannte er wenig Spielraum für eine tatsächliche Reduzierung, sah aber mit Sorge, dass MBFR gerade in der deutschen Politik eine Art von Eigenleben erhielt, indem allein die Existenz von Verhandlungen als Garant eines positiven Resultats galt.[22] Die weiteren Entwicklungen gaben ihm recht. Ähnlich kritisch näherte er sich den Ergebnissen der amerikanisch-sowjetischen Verhandlungen über die Begrenzung der nuklear-strategischen Angriffswaffen (Strategic Arms Limitation Talks – SALT II) von 1979.[23] Er legte Wert darauf, nicht bloß über Rüstungskontrolle und nukleare Abschreckung zu diskutieren, sondern darüber hinaus über die großen politischen Fragen, die sich hinter der nuklearen Konkurrenz verbargen. Mitte der 70er-Jahre begann er mit dem damaligen Mitarbeiter des norwegischen Instituts für internationale Politik (NUPI) und späteren Verteidigungsminister Johan Jörgen Holst ein erstes Projekt, in dem verschiedene Autoren dieser Frage nachgingen. Das Projekt schloss 1977 mit einer englischsprachigen Buchpublikation ab.[24]

In Fortsetzung seines analytischen Konzepts der Prioritätenkonflikte startete Nerlich an der SWP 1978 ein umfangreiches Projekt mit dem Ziel, eine kritische Bestandsaufnahme westlicher Sicherheitspolitik unter den Bedingungen von Rüstungskontrolle, Rüstungsprozessen und den verzwickten innenpolitischen Entwicklungen innerhalb der westlichen Staatengemeinschaft vorzunehmen. An dem Projekt nahmen namhafte deutsche und internationale Autoren teil und es schloss 1982 mit der Herausgabe zweier Bücher ab, die heute noch als maßgebliche Analysen der internationalen politischen Lage zu Beginn der 80er-Jahre gelten.[25] Der erste Band mit dem Titel „Sowjetische Macht und westliche Verhandlungspolitik im Wandel militärischer Kräfteverhältnisse“ legte profunde Analysen der konventionellen und nuklearen Kräfteverhältnisse vor, die Grundlage für die weiteren Analysen zum politischen Gebrauch militärischer Macht durch die Sowjetführung bildeten.[26] Diese Analysen standen im wohltuenden Kontrast zu den damals in den deutschen Medien hoch gepriesenen Kräfteanalysen des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg und des Friedensforschers und späteren rechtsnationalistischen Aktivisten Alfred Mechtersheimer, die allesamt die notwendige Professionalität vermissen ließen. Besonderes Gewicht legte der Sammelband auf die Frage, inwieweit das Vorhandensein von Rüstungskontrollverhandlungen – ohne dass sie erkennbar in irgendeiner Weise die sowjetische Bedrohung reduzieren – politische Veränderungen in den westlichen Demokratien bewirkt, die den Zusammenhalt der westlichen Staatengemeinschaft gefährden.[27] Am Beispiel von MBFR und SALT wurde diese Problematik klar analysiert[28] und auch darauf hingewiesen, dass die Friedensbewegungen in Europa ein Moment der Selbstschwächung des Westens gegenüber einer fortbestehenden sowjetischen Bedrohung darstellten.[29] Der Rest des Bandes widmete sich der Bilanz von Rüstungskontrolle und der Frage, wie man sie eventuell alternativ aufstellen kann.[30]

Dieser Band reflektierte hochkomplexe Analysen, die auf Dilemmata westlicher Sicherheitspolitik verwiesen. Doch in der damals aufgeheizten friedenspolitischen Szene Deutschlands wurde er in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Die friedenspopulistischen Stimmen waren dermaßen dominant geworden (nicht zuletzt, weil ein Großteil der SPD und der Medien die Friedensbewegung unterstützten), dass solch analytisch anspruchsvolle Publikationen völlig untergingen. Die 1982 gebildete Regierung aus Union und FDP jedoch nahm diese Argumente wahr und ließ sich durch Aufmärsche nicht in ihrer Bereitschaft beirren, den Aufrüstungsteil des NATO-Doppelbeschlusses vom Dezember 1979 umzusetzen. Trotz dieses Erfolgs war Deutschlands politische Entwicklung ein Beleg dafür, wie berechtigt Nerlichs Skepsis gegenüber der „Politik“ der Rüstungskontrolle war.

Der zweite Band mit dem Titel „Die Einhegung sowjetischer Macht“ führte die Diskussion weiter und stellte die grundsätzliche Frage, wie eine westliche Politik aufgestellt sein muss, die sich mit der sowjetischen Herausforderung auseinandersetzt. Es gelte die Schwächen und Stärken des Sowjetsystems genau zu analysieren und die eigenen Schwächen zu kompensieren. Die Beiträge gingen noch von der weiteren Existenz des sowjetisch beherrschten Osteuropas und einer fortgesetzten, sich verschärfenden militärischen Bedrohung aus. Es gab aber auch Hinweise auf die Möglichkeit eines fundamentalen Wandels in der sowjetischen Politik, sollte die sowjetische Führung zu stark in das Militär investieren.[31] Zudem fanden sich hochinteressante und innovative Beiträge, die Alternativen zur bisherigen Rüstungskontrollpolitik aufzeigten und die Parameter suchten, die Ausgangspunkt für vernünftige Rüstungskontrolle sein müssten.[32] Ein abschließender Teil widmete sich der Frage, wie sich Rüstungskontrolle und die Verbesserung der militärischen Fähigkeiten der NATO kombinieren lassen.[33]

Diese Bücher lieferten maßgebliche Beiträge zur aktuellen sicherheitspolitischen Debatte in den 80er-Jahren, besaßen jedoch keine politische Breitenwirkung (zumindest nicht über die Regierungsparteien Union und FDP sowie die wenigen, weiterhin am Kurs Helmut Schmidts festhaltenden Sozialdemokraten hinaus). In der breiten politischen Debatte, die von populistischen, apokalyptischen und amerikafeindlichen Argumentationslinien dominiert war und mit geradezu missionarischem Eifer dafür plädierte, aus dem angeblich gefährlichen Ost-West-Konflikt „auszusteigen“, fanden Stimmen der Vernunft und rational abwägenden Wissenschaftlichkeit kaum noch Gehör. In Expertenkreisen hingegen wurden Nerlichs Beiträge weiterhin gewürdigt und auch in den USA und anderen Ländern wahrgenommen.

Ein zentrales Thema dieser Zeit war die alarmistische Behauptung, ein Atomkrieg stehe (möglicherweise aus Versehen) unmittelbar bevor. Unermüdlich, wie Uwe Nerlich war, hat er sich mit der immer wieder aufkochenden Furcht vor dem Atomkrieg auseinandergesetzt und die damit einhergehenden ethischen Fragen angesprochen. 1984 bildete er in Zusammenarbeit mit dem Münchener Professor für Systematische Theologie und Ethik, Trutz Rendtorff, eine Studiengruppe, die sich mit den politischen und ethischen Problemen der nuklearen Abschreckung befasste. Diese Gruppe tagte bis 1988 und legte ein Jahr später einen fast 900 Seiten umfassenden Sammelband vor, der in seiner Gründlichkeit und Ausgewogenheit ohne Parallele im deutschen Sprachraum war und weiterhin ist.[34] Es gelang Nerlich, die besten Experten für Theorie und politische Logik der nuklearen Abschreckung, deren Verfahren und Methoden zur Mitarbeit an diesem Sammelband zu gewinnen und außerdem Experten für ethische Fragen. Ein Abschnitt befasste sich bereits mit der Möglichkeit fundamentaler Veränderungen der Ost-West-Beziehungen.

Interessant war ein Beitrag Nerlichs, der darauf hinwies, dass es zwischen den Mächten und Staatengruppen in West und Ost, deren Verhältnis seit mehr als 40 Jahren durch politischem Antagonismus kennzeichnet war, keinen militärischen Konflikt und nach der Kuba-Krise auch keine Krise gegeben habe, „in der politische Führer vor der Entscheidung zum Einsatz nuklearer Waffen gestanden haben.“[35] Das war eine klare, gut begründete Antwort auf die Lebenslüge der Friedensbewegung, wonach der große Nuklearkrieg unmittelbar anstehe. Nur wahrgenommen wurde diese Botschaft in der Öffentlichkeit kaum.

Diese Großprojekte waren nicht die einzigen, die Nerlich zu jener Zeit initiierte und durchzog. Von 1984 bis 1986 gründete er zusammen mit dem Präsidenten der RAND Corporation, James A. Thomson, eine deutsch-amerikanischer Studiengruppe, die Divergenzen der beiden Verbündeten aufzeigen und Problemlösungen zu diskutieren versuchte.[36] Im Jahr 1997 begann er, in Zusammenarbeit mit dem Harvard-Historiker Ernest May ein großes internationales Projekt zur Geschichte der Nuklearwaffen zu organisieren (Nuclear History Project). Dieses Projekt, an dem eine Vielzahl jüngerer Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen teilnahm, sollte gründliche und dokumentengestützte Forschung zu Themen organisieren, die die Entwicklung der nuklearen Rüstung und der damit verbundenen Fragen wie Strategie, Doktrin und Rüstungskontrolle betrafen. In diesem Rahmen wurden Dutzende von Dissertationen gefördert und Seminare angeboten, bei denen die Teilnehmer ihre Ergebnisse vorstellen und diskutieren konnten. Das Projekt lief bis 1997 und wird heute vom Wilson Center weitergeführt mit dem Schwerpunkt Nukleare Nichtverbreitung.[37]

Ein weiteres Großprojekt, das Nerlich gemeinsam mit dem Präsidenten der RAND Corporation in diesen Jahren durchführte, drehte sich um konventionelle Rüstungskontrolle in Europa.[38] Zu einem Zeitpunkt, an dem Michail Gorbatschow eine grundlegende Änderung der sowjetischen Politik anzudeuten schien, kam natürlich erneut das Thema auf: Wie muss sich der Westen in dieser Frage aufstellen? Die meisten Beiträge waren sehr allgemein gehalten oder blieben den bisherigen Erfahrungen und Problemen verhaftet, darunter auch der Beitrag von Nerlich. Aber es gab auch Beiträge mit innovativen Akzenten.[39] Zwei Jahre später setzten Verhandlungen über konventionelle Abrüstung ein, die binnen weniger Monate in einen Vertrag mündeten, der auf Parametern für verminderte Invasionsfähigkeit basierte – was sich die Autoren des Buches noch nicht hatten vorstellen können, aber in der zeitgenössischen wissenschaftlichen Diskussion durchaus bereits thematisiert worden war.[40] Aber auch diese Entwicklung gab Nerlich recht: in dem Augenblick, wo sich die sowjetische Führung auf einen grundlegenden Wandel der Politik verstand, wurden alle bislang für unlösbar gehaltenen Probleme der Rüstungskontrolle zur Makulatur. Darauf hatte er schon 1974 hingewiesen.

5 Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts

Mit dem Fall der Berliner Mauer, dem Erreichen der deutschen Einheit, dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte, den Vereinbarungen über konventionelle Abrüstung und dem KSZE-Gipfel in Paris im November 1990 veränderte sich das internationale Feld fundamental. Wer gedacht hatte, Uwe Nerlich trauere den alten Zeiten hinterher und bringe keine innovative Kraft mehr auf, der sah sich enttäuscht. Mit 61 Jahren initiierte er abermals ein Mammutprojekt (finanziert vom Bundesministerium der Verteidigung) mit dem Ziel, die konzeptionellen Grundlagen der Außen- und Verteidigungspolitik des neuen deutschen Staates zu formulieren. Daran beteiligte sich eine Reihe von Mitarbeitern der SWP sowie eine fast noch größere Anzahl von Experten anderer Institute und Universitäten aus dem In- und Ausland. Der Verfasser dieses Artikels war als Forschungssekretär der SWP ebenfalls beteiligt und hat in seinem ganzen akademischen Leben kein solch aufregendes, innovatives Forschungsprojekt erlebt wie dieses. Heraus kam ein Konvolut von Büchern, Studien, Arbeitspapieren und Aufsätzen, das durch die schiere Masse unverdaulich war. Die Projektergebnisse sind aber zusammengefasst in einem 1992 erschienenen Sammelband.[41]

Den Kern bildete eine theoretische Analyse von Uwe Nerlich. Diese basierte auf drei Grundgedanken: Erstens sei die internationale Konstellation neu zu vermessen, innerhalb derer sich das vereinte Deutschland befand. Zweites seien Risiken zu benennen, die in der neuen Konstellation entstehen oder als Folge von Veränderungen dieser Konstellation auftreten könnten. Drittens müsse man die Instrumente deutscher Sicherheitspolitik bestimmen und zueinander ins Verhältnis setzen.

Mit Blick auf die Analyse der internationalen Konstellation betonte Nerlich, der Wegfall der strategischen Konkurrenz habe ein völlig neues Umfeld für die deutsche Politik geschaffen, sodass die grundlegenden Probleme der Vergangenheit gelöst seien. Das bedeute allerdings nicht, dass es keine Herausforderungen, Risiken oder Gefahren mehr gäbe. Vielmehr müsse man sich auf begrenzte Konflikte einstellen, die allerdings von der strategischen Entwicklung abgekoppelt wären.[42] Künftige sicherheitspolitische Planung, so Nerlich, bedürfe bei „geringer Priorität militärischer Sicherheit, aber realen militärischen Gefahren und Aufgaben als in den vergangenen Jahrzehnten neuer Grundlagen und Instrumente, wenn sie über reaktives Krisenmanagement hinausgelangen will.“[43] Im Kern drückte er damit aus, dass man sich nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen dürfe, sondern in vorausschauender Weise mögliche Probleme rechtzeitig analysieren und sich darauf einstellen müsse.

Für die Risikoanalyse schlug Nerlich eine neue Methodik vor. Drei Risikokategorien müssten besondere Beachtung finden: (1) geographisch begrenzte Konflikte (wie der Krieg Irak gegen Kuwait), (2) Rekonstitutionsfälle (etwa der Rückfall Russlands in eine imperialistische Politik) und (3) Konflikte mit neuen strategischen Akteuren (besonders wenn diese Kernwaffen besitzen). Zudem müsse die Aufmerksamkeit auf (4) logistischen Konflikten liegen, wie die Störung oder Unterbindung von Versorgungen über größere Entfernungen, und auf (5) nicht-staatliche Herausforderungen (Terrorismus, organisierte Kriminalität, Drogen etc.). Auch müsse sich die deutsche Politik vorbereiten auf (6) qualifizierte Interventionen sowie (7) militärische Einsätze zu friedenserhaltenden Zwecken. Diese sieben Risiken seien allesamt relevant für die sicherheitspolitische Planung.[44] Das waren völlig logische Befunde, deren Bedeutung sich in den vergangenen 30 Jahren mehrfach erwiesen hat.

Mit Blick auf die Instrumente deutscher Sicherheitspolitik betonte Nerlich, dass die NATO ihre Rolle als Instrument der Einhegung deutscher Macht tendenziell verlieren und von anderen Formen des Multilateralismus abgelöst werde. Deutschland bleibe aber Demandeur in der Frage seiner militärischen Einbindung, und solange eine europäische Politische Union mit einer integrierten militärischen Säule nicht möglich sei, müsse die transatlantische Integration Ziel deutscher Politik bleiben.[45] Ansonsten sei es angebracht, kooperativ in vielen multilateralen Foren mitzuwirken, aber es wäre nicht zielführend, sich unter Verweis auf historische Bezüge herauszuhalten, sobald es brenzlig werde. Die Entwicklung deutscher Instrumente müsse primär unter dem Gesichtspunkt der internationalen Ordnungspolitik gesehen werden. Allerdings verschiebe sich internationale Gestaltungsmacht auf die Ebene der internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Die bisherige, weitgehend von den USA getragene Ordnung gelte es zu erhalten. Deutschlands Rückversicherung sei das fortdauernde Engagement der USA in Europa, doch müsse sich die NATO zu einer Allianz verändern, in der die Lasten gleich verteilt sind.[46] Weiterhin schlug Nerlich einen risikoorientierten Planungsansatz für eine deutsche Sicherheitspolitik vor, die sich unterschiedlicher internationaler Instrumente bedient (Völkerrecht, KSZE, Vereinte Nationen, Europäische Gemeinschaft, NATO, Nichtverbreitungsregime etc.).

In den neunziger Jahren fanden diese und andere Ergebnisse des Projekts in der Politik der Bundesregierung und auch der NATO durchaus Widerhall. Der damalige NATO-Generalsekretär, Manfred Wörner, bat Uwe Nerlich 1991, eine Projektgruppe zusammenzustellen, die eruieren sollte, wie sich die NATO auf die neue Lage einstellen müsse. Aus diesen Diskussionen gingen wichtige Impulse für das 1992 beschlossene neue strategische Konzept der NATO hervor. Auch der damalige Generalinspekteur der Bundeswehr und spätere Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, General Klaus Naumann, nahm intensiv Anteil an den Ergebnissen der Studie. Er setzte eine Reform der Bundeswehr in Gang, um Truppen sowohl für die Bündnisverteidigung (Hauptverteidigungskräfte für den Fall der Re-Konstituierung einer russischen Militärbedrohung) als auch für Auslandseinsätze (Krisenreaktionskräfte) im Rahmen internationaler Missionen bereithalten zu können.

Allerdings hielten diese Impulse nicht lange vor. Nimmt man die im Rahmen des SWP-Projekts maßgeblich von Uwe Nerlich gestalteten Überlegungen als Folie zur Beurteilung der deutschen Sicherheitspolitik nach 1990, so zeigen sich folgende Defizite:

  • Bei der Risikoanalyse wurde spätestens ab Ende der 90er-Jahre der Aspekt der Wiederherstellung einer strategischen Bedrohung seitens Russlands von allen Bundesregierungen ausgeblendet. Angesichts des seinerzeit desolaten Zustands der russischen Streitkräfte war das nachvollziehbar, doch deutete sich ab 2000 eine Änderung an, die 2008 mit der Intervention in Georgien und 2014 mit der Aggression gegen die Ukraine akzentuiert wurde. Trotz eines seit 2011 erkennbar auf einen Krieg mit der NATO abzielenden Rüstungsprogramms[47] und trotz einer offenkundigen Verletzung des INF-Vertrags durch Russland blieb die Politik der Bundesregierungen bis zum 24. Februar 2022 weitgehend passiv. Die Bundeswehr wurde dermaßen abgerüstet, dass sie derzeit zu einer effektiven Bündnisverteidigung kaum in der Lage ist.

  • Dass mit China ein neuer gewichtiger Akteur auftritt, der zu einer strategischen Bedrohung werden kann, findet in der deutschen Außenpolitik bis heute nicht genügend Aufmerksamkeit. Und die Sicherung der Rohstoffversorgung ist einem Maß vernachlässigt worden, das man als skandalös bezeichnen muss.[48]

  • Die von Nerlich angemahnte Politik der Balance zwischen einerseits effektiven Beiträgen der Bundeswehr im Rahmen internationaler Missionen zur Wahrung des Friedens in Krisenregionen und andererseits einer vorbedachten Politik der Selbstbeschränkung militärischer Fähigkeiten (zur Beruhigung der europäischen Nachbarstaaten), ist nicht einmal in Ansätzen zu erkennen gewesen. Die Bundeswehr ist in diesem Jahrhundert auf Krisenreaktionskräfte reduziert worden, die nur im kleinen Rahmen ohne hinreichende strategische Konzepte im Kosovo, in Afghanistan und in Mali zum Einsatz kamen – allesamt Einsätze, deren Erfolg als minimal (Kosovo) oder als gescheitert (Afghanistan, Mali) zu bewerten sind. Deutschlands Versicherung, keine militärische Bedrohung für seine Nachbarn darzustellen, darf als erfolgreich gelten – so erfolgreich, dass heute viele Nachbarn kritisieren, die Bundesrepublik könne kaum Beiträge zur Bündnisverteidigung leisten. Die faktische Aufgabe der Bündnisverteidigung dürfte auch mit dafür verantwortlich gewesen sein, dass Russland Ende 2021 zur Überzeugung gelangte, der NATO ein Ultimatum stellen und die Ukraine angreifen zu können.[49]

  • Die von Nerlich geforderte Neuaufstellung der NATO in einer Weise, die die Voraussetzungen dafür schaffen sollte, dass nicht nur die verschiedenen Aufgabenbereiche (von Bündnisverteidigung bis Interventionskräfte) abgedeckt, sondern auch die Lasten zwischen den USA und den Europäern gleich verteilt werden, war bis Ende Februar 2022 keine erkennbare Priorität deutscher Sicherheitspolitik. Im Gegenteil, Kanzler Schröder betrieb 2002 einen eindeutig anti-amerikanischen Wahlkampf und mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin einen Bilateralismus, der in der Regierungszeit von Kanzlerin Angela Merkel vom damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier und dessen Nachfolger Siegmar Gabriel fortgesetzt wurde. Auch unter Merkel besaß das westliche Bündnis keine Priorität und die wiederholt zugesagte Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts fand nicht statt. Ihre über 20-jährige Politik der weitgehenden Vernachlässigung des nordatlantischen Bündnisses fällt der Bundesrepublik heute in Form einer zunehmenden Orientierung der USA auf den indopazifischen Raum auf die Füße.[50] Sollte China sich entschließen, Taiwan und die im asiatischen Raum befindlichen US-Streitkräfte anzugreifen, wären die europäischen Staaten nicht in der Lage, allein die militärische Balance gegen Russland zu wahren.

  • Die von Nerlich angemahnte Sicherheitspolitik, die sich an Risiken orientieren und den Multilateralismus nutzen sollte, um diese Risiken rechtzeitig zu erkennen, zu antizipieren und auch anzugehen, ist spätestens seit der Jahrtausendwende in der deutschen Politik nicht praktiziert worden. Vielmehr hat in dieser Zeit ein Paradigmenwechsel deutscher Außenpolitik stattgefunden, der militärische oder weitere sicherheitspolitische Risiken ausblendete. Dieser Paradigmenwechsel lag hauptsächlich daran, dass bei den Grünen, in der SPD und vielen Leitmedien Personen leitende Funktionen übernahmen, deren politische Sozialisation von der Friedensbewegung der 80er-Jahre geprägt war. Sie hatten ein völlig anderes Bild von den Prioritäten und Zielen deutscher Außenpolitik als vorhergehende Generationen.[51] Ein ziviler Multilateralismus innerhalb der EU und den Vereinten Nationen (sowie in den Gremien der Klimapolitik) genoss das Hauptaugenmerk. Zudem kam es zu einer engen Anlehnung an Russland, deren strategische Relevanz bis heute ihrer Erklärung harrt.

Seit Februar 2022 befindet sich die deutsche Außen- und Sicherheitspolitik im Wandel, umschrieben mit dem Begriff „Zeitenwende“. Man kann nur zu hoffen, dass im Rahmen dieser Neugestaltung der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik die Anfang der 90er-Jahre von Nerlich und seinen Mitarbeitern entwickelten konzeptionellen Überlegungen aufgegriffen werden.

6 Uwe Nerlich im mutmaßlichen Ruhestand

Als Uwe Nerlich 1995 in den regulären Rentenstand überging und die SWP verlassen musste, hatte sich ein Muster seines Wirkens abgezeichnet: seit den frühen 1960er Jahren war er ein konstanter Mahner deutscher Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Diese kam oft nicht über den Status des Reagierens auf mehr oder weniger krisenhafte Entwicklungen hinaus, gab nur selten eigene, strategisch relevante Impulse. Und wenn, dann waren diese oft unüberlegt und charakterisiert durch das Ignorieren strategischer Entwicklungen, die Nerlich und andere Strategieexperten zu erkennen vermochten. Aber es gab Zeiten, in denen in der Bundesregierung und im Bundestag auf Experten wie Nerlich gehört wurde – von den späten Sechzigern bis zur ersten Hälfte der 90er-Jahre.

Nerlich hatte häufig recht, aber auch nicht immer: Seine Einschätzung der US-Nichtverbreitungspolitik griff damals zu kurz. Doch ansonsten hat er mit seinen Publikationen und vor allem mit seinen kooperativen Großprojekten Generationen von jüngeren Experten und Expertinnen auf diesem Gebiet ein Vorbild gegeben und auch immer wieder Diskussionsräume hergestellt, in denen Politik und Expertise zusammenkamen. Das alles, ohne je einen Hochschulabschluss vorweisen zu können. Auch besaß er keinen Führerschein und schrieb bis zu seinem Ende auf einer klapperigen Schreibmaschine. Dafür gab es Würdigungen: Am 28. Dezember 1995 erhielt Nerlich das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland und im Mai 1996 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Geistes-, Sozial- und Erziehungswissenschaften der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg verliehen.

 Uwe Nerlich im Jahr 2008

Uwe Nerlich im Jahr 2008

Wer vermutete, Nerlich werde sich nach seinem Eintritt ins Rentenalter zurückziehen, der sah sich eines Besseren belehrt. Nicht nur heiratete er erneut und wurde Vater zweier Töchter, er wirkte weiterhin aktiv in der Branche mit. Bei der in München ansässigen Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft IABG fungierte er von 1995 bis 2002 als Senior Vice President und Direktor des IABG-Zentrums für Europäische Strategieforschung. Danach blieb er in beratender Funktion bei der IABG tätig. In dieser Zeit vertrat er die IABG in der European Study and Defence Analysis Group (ESDAG), die ein Zusammenschluss vergleichbarer europäischer Institute war. Ziel dieser Gruppe, deren Direktor Nerlich wurde, war gemeinsame Forschung zur europäischen Sicherheitspolitik.[52]

Im Jahr 2007 gründete Nerlich mit ehemaligen IABG-Kollegen das Centre for European Security Strategies (CESS)[53] und blieb bis zu seinem Tod im Jahr 2023 dessen Geschäftsführer. Auch hier beschäftigte er jüngere Wissenschaftler und half ihnen, beruflich weiter zu kommen und vor allem deren Denken und Lösungsideen in den richtigen strategischen Rahmen zu lenken.

Er war u. a. maßgeblich daran beteiligt, dass die Themen Sicherheit und Schutz kritischer Infrastrukturen in der EU an Bedeutung gewannen und in die EU-Sicherheitspolitik und das Forschungsprogramm der EU aufgenommen wurden. Nerlich war vornehmlich im Bereich der Auftragsforschung und der Beratung tätig. Insgesamt 13 Projekte für die Kommission der EU und 5 für die deutschen Ministerien für Inneres und Verteidigung sowie für die einschlägige Industrie hat Nerlich maßgeblich mit akquiriert und zu Lösungsvorschlägen zur Verbesserung der Sicherheit beigetragen. Über 30 Partner aus Behörden, Forschung und Industrie aus 15 Ländern der EU und assoziierten Ländern wie Israel und der Schweiz waren insgesamt an diesen Projekten beteiligt. Das große Spektrum an Themen umfasste technische, operative und Software-Lösungen für den Schutz kritischer Infrastrukturen, das Gesundheitswesen in Krisensituationen, die Strukturierung und Optimierung von Sicherheitsorganisationen und deren Arbeits- und Einsatzprozesse. Hier konnte Nerlich sein strategisches Wissen und sein Netzwerk bei der Entwicklung von Risiko-und Bedrohungsszenarien für terroristische Optionen, Naturkatastrophen und großtechnische Störungen einbringen. Die Entwicklung von Bewertungsverfahren und deren Einsatz bei der Bewertung von Lösungsvorschlägen im Rahmen von Expertengruppen und Planübungen waren Schwerpunkte seiner inhaltlichen Projektarbeit. Zwar war Nerlich vornehmlich im Bereich der Auftragsforschung und Beratung tätig. Aber 2003 brachte er zusammen mit David Gompert ein Buch heraus, das die deutsch-amerikanische sicherheitspolitische Zusammenarbeit beleuchtete.[54]

Darüber hinaus ergab sich eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Prinz Michael von Liechtenstein. An dem von Prinz Michael gegründeten Portal Global Intelligence Studies (GIS) beteiligte sich Nerlich mit eigenen Beiträgen und bewegte Kolleginnen und Kollegen aus dem In- und Ausland, für das Portal zu schreiben.[55] Beide veranstalteten ab 2014 in Vaduz ein vertrauliches Forum für die Diskussion strategischer Langzeitfragen (Vaduz Roundtable), dessen Sitzungen Nerlich vorbereitete und leitete. Zweimal hat er auch in der Zeitschrift Sirus publiziert.[56] Bis zu seinem Ableben interessierte sich Nerlich aktiv für die internationalen Beziehungen und insbesondere die Erörterung jener strategischen Fragen, die in der medial dominierten Diskussion in Deutschland und anderen Demokratien leider kaum noch Thema sind.

7 Zusammenfassung

Alexis de Tocqueville kam in seinem Buch über die amerikanische Demokratie schon vor fast 200 Jahren zu der Erkenntnis, dass sich Demokratien schwer damit tun, in auswärtigen Angelegenheiten strategisch und zielorientiert zu handeln. Sie würden eher Gefühlen nachgehen und langfristige Pläne und Strategien scheiterten meist.[57] Führt man sich das Schaffen von Uwe Nerlich vor Augen, begreift man, dass er einen jahrzehntelangen Kampf gegen diese Unart geführt hat – meistens mit sehr guten Argumenten, oft mit Erfolg in der Politik, in der öffentlichen Diskussion aber auf verlorenem Posten. Wer meint, das habe sich das in den heutigen modernen Demokratien gebessert, der irrt. Anfang der 60-Jahre war in einer Situation strategischer Ungewissheit eine Gruppe maßgeblicher deutscher Politiker und Ministerialbeamter bereit, im Rahmen der DGAP eine Studiengruppe zu bilden und so den Rat von Wissenschaftlern einzuholen. Das ist heute undenkbar. Wir leben in einer Mediokratie, in der die überregionalen, insbesondere die öffentlich-rechtlichen, TV-Medien Hauptansprechpartner der Politik sind.[58] Expertenrat ist selten gefragt und die durchaus zahlreichen Thinktanks und Forschungsinstitute müssen sich anstrengen, um in der deutschen Medienlandschaft wahrgenommen zu werden, und müssen oft mit NGOs und Lobbyistenorganisationen wie Greenpeace konkurrieren, deren außen- und sicherheitspolitische Expertise eher zweifelhafter Natur ist. Erst wenn die Medien aufmerksam werden, haben sie eine Chance, auch einmal in der Politik Gehör zu finden.

Die vergangenen 30 Jahre haben gezeigt: Die Bundesregierungen und Parteien im Bundestag waren oft mit strategischer Blindheit geschlagen[59] und haben vor allem in den vergangenen 25 Jahren massive, verhängnisvolle Fehler begangen (Russlandpolitik, Ukrainepolitik, Vernachlässigung von Bundeswehr, Allianzpolitik und Energieversorgung). Diese Fehler hätte die Politik vermeiden können, hätte sie auf den Ratschlag der einschlägigen, zur Beratung befähigten Wissenschaft gehört.

Uwe Nerlich war der Doyen der zivilen Strategieforschung in Deutschland. Sein Vermächtnis besteht darin, dass er Generationen von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen in Deutschland und anderswo vorgelebt hat, was strategisches Denken ist und wie man es lernen und praktizieren kann. Großartiges hat er insbesondere vollbracht in der Zusammenstellung von Projektgruppen aus klugen und umsichtigen Persönlichkeiten, die in der Lage waren, Problemfelder umfassend zu analysieren und daraus politisch relevante Schlussfolgerungen zu ziehen. All dies gelang ihm, weil er sich ein breites internationales Netzwerk aus kompetenten Expertinnen und Experten aufgebaut hatte, auf das er immer wieder zurückgreifen konnte und das sich ständig erweiterte. Er hat sehr viel publiziert, wobei nicht alles leicht verständlich ist. Kern seines Oeuvres ist eindeutig eine sehr solide und kritische Auseinandersetzung mit den Defiziten deutscher und westlicher Sicherheitspolitik. Seine strategischen Analysen aus dem Jahr 1992 bilden immer noch den Maßstab, an dem sich die Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Bundesregierung messen lassen müssen. Uwe Nerlich hat in seinen letzten drei Jahrzehnten zu wichtigen operativen Themen der Verbesserung der Sicherheitsstrukturen national wie international beigetragen, insbesondere zur Entwicklung der Sicherheitsstrategie der Europäischen Union.

Es ist bedauerlich, dass aus Anlass seines Todes kein Nachruf in einer deutschen Tages- oder Wochenzeitung erschien. Das dürfte daran liegen, dass Uwe Nerlich in gewisser Hinsicht aus der Welt der Thinktanks abgetaucht war. Und die, die ihn noch kannten, waren entweder tot (Theo Sommer) oder schrieben schon lange nicht mehr (Günter Gillessen, Lothar Ruehl). Dieser Artikel soll diese Lücke schließen, aber zugleich mehr sein als nur ein Nachruf.


Hinweis

Der Verfasser dankt Karl Kaiser, Reinhard W. Hutter und vor allem Anabel Nerlich und Lisinka Nerlich für wertvolle Anregungen.


Über den Autor / die Autorin

Prof. Dr. Joachim Krause

Geschäftsführender Herausgeber der Zeitschrift SIRIUS

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Online erschienen: 2023-11-30
Erschienen im Druck: 2023-11-28

© 2023 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von De Gruyter.

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