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BY-NC-ND 4.0 license Open Access Published by De Gruyter November 30, 2023

Frank Jüris: China and Rare Earths: Risks to Supply Chain Resilience in Europe. Tallinn: International Center for Defence and Security, Mai 2023

Rezensierte Publikation:

Frank Jüris China and Rare Earths: Risks to Supply Chain Resilience in Europe Tallinn International Center for Defence and Security Mai 2023


Dieser Analyse des ICDS aus Estland zufolge sind die Bemühungen der EU und der NATO, die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten bei kritischen Rohstoffen zu stärken, anfällig für den Einfluss der Volksrepublik China. China versuche, wichtige Industrieakteure in der westlichen Welt unter seine Kontrolle zu bringen. Die Studie untersucht den Fall der geplanten Erweiterung von Silmet, Europas einziger Aufbereitungsanlage für Seltene Erden. Man müsse die Institutionen, die die Anlage kontrollieren, im Auge behalten und ebenso deren aktuelle und frühere Verbindungen zum chinesischen Markt, zu Chinas Kommunistischer Partei und Volksbefreiungsarmee sowie zum chinesischen Verteidigungssektor.

Die estnische Firma Silmet ist eine Verarbeitungsanlage für Seltene Erden, die in der Sowjetzeit zur Herstellung von angereichertem Uran gegründet wurde. Sie gehört derzeit dem in Kanada ansässigen Unternehmen Neo Performance Materials (NPM). Silmet verarbeitet seltene Metalle, darunter Seltene Erden, die von der EU als kritische Rohstoffe identifiziert wurden. Es gibt Pläne der Eigentümer von Silmet, in die Produktion von Seltenerdmagneten zu expandieren, die für die grüne Transformation und moderne militärische Ausrüstung unerlässlich sind. Die Firma NPM sei allerdings, so die Studie, teilweise in chinesischem Eigentum und habe enge Verbindungen zur chinesischen Volksbefreiungsarmee. Diesen Nachweis untermauert eine komplexe Analyse verschiedener Firmenbeziehungen und der damit verbundenen, oft verschachtelten Eigentumsverhältnisse.

Der Verfasser folgert, dass diese Verbindungen potenziell als Druckmittel auf das Silmet-Werk genutzt werden könnten. Das könnte letztlich zu einer Verknappung der Seltenen Erden in Europa beitragen, wenn diese am dringendsten benötigt werden. Die letzten Jahre hätten gezeigt, wie wichtig es sei, die Resilienz der Lieferketten bei der Verarbeitung von Seltenen Erden zu erhöhen, und zwar unabhängig von China. China kontrolliere bereits rund 90 Prozent des weltweiten Markts für die Verarbeitung von Seltenen Erden und habe diesen Einfluss in der Vergangenheit genutzt, um auf Japan wegen territorialer Streitigkeiten im Ostchinesischen Meer Druck auszuüben. Die Kontrolle über die Verarbeitung von Seltenerdmetallen und die Produktion von Seltenerdmetallmagneten (die in Elektrofahrzeugen, Windturbinen, Panzerabwehrraketen und Kampfjets zu finden sind) könnte es China ermöglichen, die Welt zu erpressen, etwa bei der Akzeptanz einer Invasion in Taiwan.

Verbindungen wie die in dieser Analyse beschriebenen müssten dazu führen, so der Verfasser, dass die EU- und nationale Regierungsbehörden die Partnerschaften und Verbindungen der Akteure der Seltenerdmetallindustrie mit Unternehmen aus der VR China aktiv prüfen und beaufsichtigen. Der Ausbau der europäischen Kapazitäten zur Verarbeitung von Seltenen Erden und Herstellung von Magneten sei wichtig, aber es bedürfe regulatorischer Maßnahmen, um sicherzustellen, dass öffentliche Mittel nur eingesetzt werden, wenn damit die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten für Seltene Erden und so die Sicherheit der westlichen Staaten erhöht werde.

Die in dieser Studie beschriebenen Risiken ließen sich auch dadurch mindern, dass man Industrieunternehmen, die europäische Subventionen erhalten, verpflichtet, jährliche Quoten an verarbeiteten Seltenen Erden für den europäischen Markt zu liefern. Zudem sollten die EU und die Mitgliedstaaten Anreize für die Entwicklung und Diversifizierung europäischer Bergbau- und Verarbeitungskapazitäten schaffen. Die EU und die nationalen Regierungen müssten Chinas Einfluss auf die Akteure der Industrie überwachen und Anreize für Unternehmen schaffen, Chinas Einfluss zu verringern und ihre Lieferkette in die Mitgliedstaaten und Verbündeten zu verlagern.

China habe bewiesen, so der Verfasser, dass es bereit ist, wirtschaftlichen Einfluss für politisch-strategische Ziele zu nutzen, unter anderem durch Sperrung des Zugangs zu Seltenerdmetallen. Peking bemühe sich, auf oft verschlungenen Wegen ausländische Unternehmen und Wirtschaftsführer für seine Ziele einzusetzen. Angesichts der anhaltenden Unterstützung von Xi Jinping für Wladimir Putins Russland solle man sich in Erinnerung rufen, dass bereits Deng Xiaoping verkündet hatte, China solle das globale REE-Angebot in einer Weise kontrollieren, die der Kontrolle des Öls durch die Organisation erdölexportierender Länder entspreche.

https://icds.ee/en/china-and-rare-earths-risks-to-supply-chain-resilience-in-europe/

Online erschienen: 2023-11-30
Erschienen im Druck: 2023-11-28

© 2023 bei den Autorinnen und Autoren, publiziert von De Gruyter.

Dieses Werk ist lizensiert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 4.0 International Lizenz.

Downloaded on 27.2.2024 from https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/sirius-2023-4013/html
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